Rettet die soziale Stadt
Regierung soll Etatkürzungen für 2012 zurücknehmen
Wie fühlen sich Menschen, die sich seit Jahren in ihrem Stadtteil engagieren, damit ihr Wohnviertel sozial nicht an den Rand gedrängt wird, wenn sie jetzt erleben, dass die Bundesregierung ihre Arbeit durch finanzielle Kürzungen mit Füßen tritt? Werden sie sich weiter einbringen? Werden es Kommunen und Länder angesichts der angespannten Finanzlage schaffen, ihrerseits dafür zu sorgen, dass es vor Ort weitergeht? Diese und weitere Fragen diskutierte die SPD-Bundestagsfraktion am 24. Oktober mit rund 200 Expertinnen und Experten in Berlin auf ihrer Konferenz „40 Jahre Städtebauförderung – Rettet die Soziale Stadt".
Vor 40 Jahren hat die von Willy Brandt geführte sozial-liberale Regierung die Städtebauförderung als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern eingeführt. Sie leistet seitdem einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung in deutschen Städten und Gemeinden: historische Stadtkerne wurden erhalten, Innenstädte wiederbelebt und soziale Brennpunkte aufgewertet. Zudem setzt die Städtebauförderung wichtige Investitionen in Gang, so löst jeder Euro aus Fördermitteln von Bund und Ländern für den Städtebau acht Euro an öffentlichen und privaten Bauinvestitionen aus.
Schwarz-Gelb streicht Mittel für Städtebauförderung zusammen
Trotz der Erfolge habe die schwarz-gelbe Bundesregierung die Axt an die Städtebauförderung angelegt und die Bundesmittel auf 455 Millionen Euro gekürzt, sagte Sören Bartol, Sprecher der Arbeitsgruppe Verkehr, Bau und Stadtentwicklung der SPD-Fraktion. Für 2012 drohe eine erneute Kürzung auf nur noch 410 Millionen Euro. Besonders stark betroffen sei das unter Rot-Grün 1999 eingeführte Programm „Soziale Stadt“: Im Jahr 2011 hatten Union und FDP die Bundesmittel um über 70 Prozent auf 28,5 Millionen Euro zusammengekürzt und die sozial-integrativen Modellvorhaben gestrichen. Bartol warnte „Wer dem Programm seinen integrierten Ansatz nimmt, der beraubt es seiner Wirkung!“ 28,5 in diesem und 40 Millionen Euro im nächsten Jahr seien aber auch zu wenig, um die notwendigen baulichen Investitionen in sozialen Brennpunkten anzustoßen.
Bernd Scheelen, kommunalpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, betonte in seiner Begrüßung, dass die Kommunen, der Ort seien, an dem die Bürgerinnen und Bürger Politik hautnah erfahren. Er wies darauf hin, dass Städte und Gemeinden umfangreiche Aufgaben im Gesundheitswesen, der Bildung, dem Sozialbereich und nicht zuletzt im Städtebau erfüllten. „Die Kommunen sind das Fundament unseres Staates, nicht das Kellergeschoss“, so Scheelen.
„Soziale Stadt“ ist kein „Betonprogramm“
Der Bund, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier, lasse nun Städte und Gemeinden durch die Kürzungen in der Städtebauförderung im Regen stehen. Dies dürfe man Minister Ramsauer nicht durchgehen lassen. Schwarz-Gelb habe offenbar nie verstanden, worum es bei diesem Programm geht. Vor allem der ressortübergreifende Ansatz sei Konservativen und Liberalen nicht klar. Die „Soziale Stadt“ sei eben kein „Betonprogramm“, bei dem Projekte auch mal verschoben werden könnten. Hierbei gehe es um die Kreativität und Hoffnung der Menschen vor Ort, die ihr Viertel voranbringen wollen. Die entstandenen Netzwerke würden durch die „Zerschlagung“ des Programms zerstört. Dies sei ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich vor Ort eingesetzt hätten.
Bernd Scheelen
SPD-Kommunalpolitiker begrüßen „Stärkungspakt Stadtfinanzen“ als notwendigen Schritt in die richtige Richtung und fordern interkommunale Solidarität ein