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Freudentaumel und Katzenjammer |
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Sonntag, den 20. Mai 2012 |
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Die beiden Krefelder Wahlkreise wurden vom Wähler entsprechend dem Landestrend vergeben.
Auch die Stimmung von Krefelder SPD und CDU entspricht der Gesamtlage nach dem politischen Erdbeben.
Bernd Scheelen schwebt auf Wolke sieben. „Besser hätte es wirklich nicht kommen können“, jubelt der Krefelder SPD-Vorsitzende: Endlich haben sich die roten Landtagskandidaten in beiden Krefelder Wahlbezirken durchgesetzt. Dass Uli Hahnen den Wahlkreis II erobern würde, damit hatten die Sozialdemokraten gerechnet. Aber dass es Ina Spanier-Oppermann gelingen würde, im Wahlkreis I den langjährigen Platzhirschen Winfried Schittges von der CDU zu schlagen, das war eine Sensation. Zumal die Betriebsratsvorsitzende bei der Wahl vor zwei Jahren noch gegen Schittges verloren hatte und nicht in den Landtag einziehen konnte.
Scheelens freudige Bilanz ist aber noch nicht abgeschlossen. Er zählt weiter auf: alle 9 Krefelder Bezirke gewonnen, stärker geworden als CDU und FDP zusammen und als Krönung ein Krefelder Gesamtergebnis über dem NRW-Landesdurchschnitt. Mit solchem Rückenwind peilt die SPD schon ihr nächstes Ziel an: „Bei den nächsten Oberbürgermeister- und Kommunalwahlen wollen wir auch in Krefeld einen politischen Wechsel.“ Doch das ist Zukunftsmusik. Auf jeden Fall hinterlässt Scheelen seiner Partei ein solides Fundament, wenn er demnächst als Parteichef abtritt.
Katzenjammer hingegen prägt die Stimmung bei der Krefelder CDU. Hinter den Kulissen gährt es gewaltig. Vor allem in der Jungen Union werden Stimmen laut, die Wahlniederlage zum Anlass eines Generationswechsels zu nehmen. Doch Parteichef Winfried Schittges wehrt voreilige Schlussfolgerungen ab: „Wir müssen in Ruhe die Kritik aufarbeiten und uns fragen, woran es gelegen hat.“
Mangelnder Einsatz sei es jedenfalls nicht gewesen. Schittges: „Ich habe in meinem Wahlkreis rund 2000 Hausbesuche absolviert“. Offenbar mit einem gewissen Erfolg: „Mein persönliches Erststimmenergebnis liegt um 9 Prozent über dem Zweitstimmenergebnis der Partei“, rechnet Schittges vor. Dennoch büßte der langjährige Landtagsabgeordnete den Wahlkreis Krefeld I I ein und rettete seinen Sitz im Landtag nur über die gute Platzierung auf der Zweitstimmenliste der Partei.
Als Schittges dann zur konstituierenden Sitzung der neuen CDU-Landtagsfraktion nach Düsseldorf fuhr, war Abrechnung mit Unglücksvogel Norbert Röttgen angesagt. „Schlimm“ nannte Schittges die dortige Stimmung hinterher. Auch der Krefelder Abgeordnete bemängelt, dass Röttgen zwischen Berlin und Düsseldorf lavierte und dann auch noch die Beschlüsse der CDU-Fraktion zu Studiengebühren und anderen Reizthemen einfach außer Kraft setzte. Schittges verärgert: „Die FDP hat sich da klarer positioniert.“
Für morgen hat auch die Krefelder CDU eine Vorstandssitzung anberaumt. Dabei sollen auch Personalfragen besprochen werden. Im Klartext: es wird auch darum gehen, ob sich die Parteispitze erneuert oder gerade jetzt in der Krise auf bewährte Kräfte setzt.
Die Krefelder zumindest sind im Landtag üppig vertreten: Zwei Abgeordnete von der SPD und einer von der CDU setzen sich für die Samt- und Seidenstadt ein. Als vierter im Bunde hat es noch ein „Pirat“ aus Krefeld über die Landesliste ins Parlament geschafft.
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